Einnahmen diversifizieren: Mehr Standbeine für Creator
Creator-Einnahmequellen breiter aufstellen: zweite Plattform, Kooperationen, eigene Reichweite und was Plattformrisiko und Steuern dabei für dich bedeuten.
Kurz gesagt: Wer seine Einnahmen nur über eine einzige Plattform erzielt, hängt von deren Regeln, Zahlungspartnern und Kontoentscheidungen ab. Sinnvoll ist ein Kern, der zuverlässig läuft, plus ein oder zwei weitere Standbeine wie eine zweite Fan-Plattform, gekennzeichnete Kooperationen oder eigene Reichweite. Steuerlich zählen alle Einnahmen zusammen, auch für die Kleinunternehmergrenzen.
Viele Creator merken erst in einer schwierigen Woche, wie abhängig sie sind. Ein Konto wird geprüft, eine Auszahlung verzögert sich, eine Regel ändert sich. Wenn dann fast alles Geld über einen einzigen Kanal kommt, wird aus einer Störung schnell ein echtes Problem. In diesem Artikel geht es darum, wie du weitere Standbeine aufbaust, ohne dich zu verzetteln: welche Einnahmequellen zu Creatorn passen, wie du das Plattformrisiko einschätzt und was steuerlich zu beachten ist.
Warum ist eine einzige Plattform ein Risiko?
Weil du die Spielregeln nicht selbst bestimmst. Das ist keine Kritik an einer bestimmten Plattform, sondern schlicht Teil des Geschäftsmodells. In den Nutzungsbedingungen von OnlyFans (Stand Oktober 2026) steht zum Beispiel, dass die Plattform ein Konto mit 30 Tagen Ankündigung jederzeit und aus beliebigem Grund sperren oder löschen kann. Bei Verstößen sind auch Schritte ohne Vorwarnung vorgesehen, bis hin zum Einbehalten von Creator-Einnahmen.
Dass sich Rahmenbedingungen auch ohne dein Zutun ändern können, hat der Sommer 2021 gezeigt. OnlyFans kündigte damals an, ab dem 1. Oktober 2021 keine sexuell expliziten Inhalte mehr zuzulassen, und verwies auf Banken und Zahlungspartner. Am 25. August 2021 setzte das Unternehmen die Änderung wieder aus, nachdem es nach eigenen Angaben die nötigen Zusicherungen erhalten hatte. Für viele Creator waren das ein paar sehr unruhige Wochen.
Typische Risiken, wenn du nur auf einen Kanal setzt:
- Kontosperre oder Prüfung, auch wenn sie sich später als unbegründet herausstellt
- Regeländerungen der Plattform oder ihrer Zahlungsanbieter
- verzögerte Auszahlungen
- ein Social-Media-Profil, über das fast dein ganzer Traffic kommt und das plötzlich weniger Reichweite bekommt
Diversifizieren heißt also nicht, möglichst viel gleichzeitig zu machen. Es heißt, dass ein Ausfall dich nicht komplett trifft.
Welche Einnahmequellen kommen für Creator infrage?
Hier lohnt ein nüchterner Blick. Nicht jede Idee passt zu jedem Profil, und manche kosten mehr Zeit, als sie bringen.
| Standbein | Was es dir bringt | Was es kostet |
|---|---|---|
| Zweite Fan-Plattform | Absicherung gegen Ausfälle, neue Zielgruppen | Profilpflege, zweite Inbox, zweite Abrechnung |
| Mehrere Einnahmearten auf einer Plattform (Abo, Nachrichten, Trinkgeld, Custom Requests) | Weniger Abhängigkeit vom Abopreis allein | Klare Preise und Grenzen, mehr Kommunikation |
| Kooperationen mit Marken oder anderen Creatorn | Zusatzeinnahmen, neue Reichweite | Verhandlung, Kennzeichnungspflicht, schriftliche Absprachen |
| Eigene Reichweite (Social Media, Newsletter, Link-in-Bio-Seite) | Fans finden dich auch, wenn ein Kanal wegfällt | Regelmäßiger Content, Plattformregeln, Datenschutz |
| Partner- und Empfehlungsprogramme | Kleine Zusatzeinnahmen | Nur sinnvoll, wenn es zu deiner Community passt |
Die erste und die vierte Zeile sind aus Risikosicht meist am wichtigsten. Die zweite ist oft der schnellste Hebel, weil du dafür keine neue Plattform brauchst. Mehr dazu findest du in unseren Artikeln zu PPV-Nachrichten und zu Trinkgeldern und Custom Requests.
Mehrere Einnahmearten auf derselben Plattform
Bevor du eine zweite Plattform eröffnest, schau dir an, wie sich dein Umsatz heute zusammensetzt. Kommt fast alles aus Abos, hängt dein Monat an der Zahl der Verlängerungen. Kommen Nachrichten und individuelle Anfragen dazu, verteilt sich das Risiko etwas. Das ersetzt keine zweite Plattform, stabilisiert aber deinen Kern.
Lohnt sich eine zweite Fan-Plattform?
Oft ja, aber nicht sofort und nicht für alle. Rechtlich steht dem bei OnlyFans zunächst nichts im Weg: Die Lizenz, die du der Plattform an deinem Content einräumst, ist laut Nutzungsbedingungen nicht exklusiv. Prüfen solltest du aber andere Verträge, die du unterschrieben hast. Manche Agenturverträge enthalten Exklusivklauseln. Worauf du dort achten solltest, steht in unserem Artikel zum Agenturvertrag.
Bei den Gebühren unterscheiden sich die großen Anbieter weniger, als viele denken. OnlyFans behält laut Nutzungsbedingungen 20 % jeder Fan-Zahlung ein. Fanvue nennt in seinem Hilfebereich eine Standard-Earning-Rate von 80 % für Creator. Für Fansly und andere Anbieter prüfst du die aktuellen Konditionen direkt in deren Bedingungen, Stand prüfen. Einen ausführlichen Vergleich mit Auszahlung und Discovery findest du im Plattformvergleich OnlyFans, Fansly und Fanvue.
Wichtiger als die Gebühr ist meistens die Frage, ob die zweite Plattform andere Menschen erreicht. Wenn deine bestehenden Fans einfach umziehen, hast du zwar mehr Arbeit, aber kaum mehr Sicherheit. Wenn die neue Plattform dagegen eigene Suchfunktionen hat oder eine andere Zielgruppe anspricht, lohnt sich der Aufwand eher.
So startest du die zweite Plattform, ohne dich zu überlasten
- Leg fest, welcher Kanal dein Kern bleibt. Dort investierst du weiter die meiste Zeit.
- Starte die zweite Plattform mit einem überschaubaren Content-Vorrat, statt alles doppelt neu zu produzieren.
- Plane feste Zeiten für die zweite Inbox ein. Unbeantwortete Nachrichten kosten Vertrauen.
- Schau nach drei Monaten auf die Zahlen: Abonnenten, Umsatz, Zeitaufwand. Dann entscheidest du, ob du ausbaust oder wieder reduzierst.
- Sichere jedes Konto mit eigener E-Mail-Adresse und Zwei-Faktor-Authentisierung ab. Wie das geht, erklären wir unter Account-Sicherheit.
Wie funktionieren Kooperationen als Einnahmequelle?
Kooperationen können zwei Formen haben. Bei Markenkooperationen bezahlt dich ein Unternehmen dafür, dass du ein Produkt zeigst oder empfiehlst. Bei Kooperationen mit anderen Creatorn geht es eher um gegenseitige Reichweite, etwa über Shoutouts.
In beiden Fällen gilt die Kennzeichnungspflicht. Nach § 5a Abs. 4 UWG handelt unlauter, wer den kommerziellen Zweck einer geschäftlichen Handlung nicht kenntlich macht, sofern er sich nicht aus den Umständen ergibt. Für Creator besonders relevant: Wird eine Handlung zugunsten eines fremden Unternehmens vorgenommen, wird der Erhalt einer Gegenleistung vermutet. Du musst also im Zweifel belegen, dass du nichts bekommen hast. Im Alltag heißt das: Bezahlte Beiträge, Gratisprodukte und Tauschgeschäfte lieber klar als Werbung kennzeichnen.
Halte jede Kooperation schriftlich fest. Eine kurze Vereinbarung reicht oft schon, solange sie Leistung, Vergütung, Zeitraum, Nutzungsrechte an deinem Content und die Kennzeichnung regelt. Wie Shoutouts mit anderen Creatorn fair ablaufen, beschreiben wir ausführlich in Kooperationen und Shoutouts.
Warum ist eigene Reichweite ein eigenes Standbein?
Weil sie dir erlaubt, Fans wiederzufinden, wenn ein Kanal ausfällt. Eine Community, die dir auf mehreren Wegen folgt, ist schwerer zu verlieren als eine, die nur über ein einziges Profil kommt.
Ganz ohne Risiko ist das allerdings nicht. Auch Instagram, TikTok, Reddit und X haben eigene Regeln, und nicht jede Art von Werbung für Fan-Plattformen ist dort erlaubt. Wer diese Regeln ignoriert, riskiert genau das, was er vermeiden wollte: den Verlust eines Kanals. Wie du dort sauber arbeitest, lest du in unseren Artikeln zu Instagram, TikTok und Reddit. Eine eigene Link-Seite, die du selbst kontrollierst, ist dabei ein sinnvoller Anker. Was dort rechtlich hineingehört, steht im Artikel zu Link in Bio.
Ein Punkt, den viele unterschätzen: Lass dich von Fans nicht außerhalb der Plattform bezahlen, auch wenn sie es anbieten. Damit verlierst du den Schutz der Plattform, und je nach Plattform verstößt du gegen deren Bedingungen. Diversifizieren heißt nicht, Zahlungen an den Plattformen vorbeizuleiten.
Was bedeuten mehrere Standbeine für deine Steuern?
Steuerlich ändert sich am Grundprinzip nichts, es wird nur mehr Buchhaltung. Alle Einnahmen aus deiner Creator-Tätigkeit gehören in deine Gewinnermittlung, egal von welcher Plattform oder aus welcher Kooperation sie stammen. Die Grundlagen erklären wir im Leitfaden OnlyFans und Steuern in Deutschland.
Bei der Umsatzsteuer kommt es auf den Gesamtumsatz an. § 19 UStG stellt auf die Summe der steuerbaren Umsätze ab, die du als Unternehmerin ausführst, berechnet nach vereinnahmten Entgelten. Die Grenzen liegen bei 25.000 Euro im Vorjahr und 100.000 Euro im laufenden Jahr. Wer mit einer zweiten Plattform und ein paar Kooperationen wächst, kann diese Grenzen schneller erreichen als gedacht. Wie die Umsätze von Plattformen im Einzelnen einzuordnen sind, hängt vom Leistungsweg ab. Das erklären wir in Umsatzsteuer und Kleinunternehmerregelung, und für deinen konkreten Fall lohnt sich eine Steuerberatung.
Dazu kommt das Plattformen-Steuertransparenzgesetz. Meldepflichtige Plattformbetreiber müssen dem Bundeszentralamt für Steuern bestimmte Daten bis zum 31. Januar des Folgejahres melden (§ 13 PStTG). Ob eine bestimmte Fan-Plattform für deine Tätigkeit meldet, ist nicht immer klar, Stand prüfen. Für deine eigene Erklärung spielt das keine Rolle: Du gibst alles vollständig an.
Ein einfaches System hilft:
- ein eigenes Geschäftskonto, auf das alle Auszahlungen gehen
- pro Plattform und Kooperation monatlich die Abrechnung oder Gutschrift ablegen
- eine Tabelle mit den laufenden Umsätzen, damit du die Grenzen des § 19 UStG im Blick behältst
- Rücklagen für Steuern direkt nach jeder Auszahlung bilden
Checkliste: Wie diversifiziert bist du schon?
- Ich weiß, wie viel Prozent meines Umsatzes aus welcher Quelle kommen.
- Kein einzelner Kanal bringt so viel, dass sein Ausfall mich sofort in Schwierigkeiten bringt.
- Ich habe mindestens einen Weg, Fans außerhalb meiner Hauptplattform zu erreichen, der zu den dortigen Regeln passt.
- Meine Verträge enthalten keine Exklusivklausel, die eine zweite Plattform verbietet, oder ich kenne sie genau.
- Kooperationen sind schriftlich vereinbart und werden als Werbung gekennzeichnet.
- Alle Zahlungen laufen über die Plattformen oder über ordentliche Rechnungen.
- Ich habe meine Umsätze aller Kanäle zusammen im Blick, auch für die Umsatzsteuer.
- Jedes Konto hat eigene Zugangsdaten und Zwei-Faktor-Authentisierung.
Wenn du bei mehreren Punkten noch zögerst, ist das normal. Fang mit dem Punkt an, der dein größtes Risiko betrifft. Für die meisten ist das die Abhängigkeit von einem einzigen Kanal.
Wie viel Diversifizierung ist zu viel?
Es gibt eine Grenze, ab der weitere Standbeine schaden. Wer fünf Plattformen halbherzig betreut, verliert oft auf allen. Fans merken, wenn Nachrichten tagelang liegen bleiben oder der Content überall gleich ist. Realistische Erwartungen helfen: Ein neues Standbein braucht Monate, bis es trägt. Was auf Fan-Plattformen überhaupt typisch verdient wird, zeigt unser Artikel Was verdient man auf OnlyFans wirklich?.
Eine gute Faustregel: Füge erst dann eine neue Einnahmequelle hinzu, wenn die bestehenden ohne dein ständiges Eingreifen stabil laufen. Und streiche Kanäle, die nach einer fairen Testphase mehr Zeit kosten, als sie bringen.
Fazit
Mehr Standbeine machen dich unabhängiger von einzelnen Plattformentscheidungen, aber nur, wenn du sie auch pflegen kannst. Ein stabiler Kern, ein durchdachtes zweites Standbein und eigene Reichweite innerhalb der Plattformregeln sind für die meisten Creator ein guter Anfang. Behalte dabei Verträge und Steuern im Blick. Wenn du dir für diesen Ausbau Unterstützung wünschst, kannst du uns über die Bewerbung unverbindlich von dir erzählen.
Häufige Fragen
Darf ich meinen Content auf mehreren Plattformen gleichzeitig anbieten?
Nach den Nutzungsbedingungen von OnlyFans räumst du der Plattform eine nicht exklusive Lizenz an deinem Content ein. Ob andere Verträge, etwa mit einer Agentur, Exklusivität verlangen, musst du im jeweiligen Vertrag prüfen.
Zählen Einnahmen von mehreren Plattformen bei der Kleinunternehmerregelung zusammen?
Ja. Maßgeblich ist nach § 19 UStG der Gesamtumsatz deines Unternehmens, also alle steuerbaren Umsätze zusammen. Wie Plattformumsätze im Einzelnen einzuordnen sind, klärst du am besten mit einer Steuerberatung.
Wie viele Standbeine sind für den Anfang sinnvoll?
Für die meisten Creator reicht zunächst ein stabiler Kern plus ein weiteres Standbein. Jede zusätzliche Plattform kostet Zeit für Pflege, Kommunikation und Buchhaltung, deshalb lohnt sich ein schrittweiser Ausbau.
Muss ich bezahlte Kooperationen kennzeichnen?
Ja. Nach § 5a Abs. 4 UWG muss der kommerzielle Zweck erkennbar sein, und bei einer Handlung zugunsten eines fremden Unternehmens wird eine Gegenleistung gesetzlich vermutet. Eine klare Kennzeichnung als Werbung schützt dich vor Abmahnungen.
Quellen
- OnlyFans Terms of Service (Terms of Use)
- Fanvue Help Center: Earning rate changes for creators on Fanvue
- LBC (PA Media): OnlyFans suspends future ban on sexually explicit content
- § 19 Umsatzsteuergesetz (UStG): Kleinunternehmer
- § 13 Plattformen-Steuertransparenzgesetz (PStTG): Meldepflicht
- § 5a Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG): Irreführung durch Unterlassen
Alle Quellen abgerufen am .